Wirkungsweise des AT

J. H. Schultz nutzte die bei seinen Hypnosepatienten beobachtete Wechselwirkung von Körper und Geist und entwickelte daraufhin das Autogene Training um die Gesamtentspannung autogen, d.h. durch den Klienten selbst herstellen zu lassen.

 

Durch die Vorstellung von Ruhe und Entspannung mithilfe von Ruhebildern sowie Suggestionen (formelhafte Leitsätze) und eine passive Konzentration auf innere Entspannungsvorgänge wird die so genannte Organismische Umschaltung erzeugt.

 

Mit dem Körperentspannung, ruhiger Atmung, ruhigem Herzschlag, strömender Wärme und kühlem Kopf, lernen wir zuerst eine Gesamtentspannung selbständig herbeizuführen und beobachtend wahrzunehmen. Ausserdem die Kraft unserer Gedanken und  Imagination (siehe Katathym-Imaginative Psychotherapie) zu nutzen.

 

 

Suggestive Vorgaben beeinflussen körperliche Reaktionen entscheidend. Mit Suggestionen lassen sich spezifische Veränderungen erzielen. Beispielsweise zeigt sich bei Entspannungssuggestionen eine verlangsamte Herzfrequenz, bei mit Aktivität verbundenen Suggestionen hingegen ganz klar eine Beschleunigung des Herzschlags. So lässt sich eine einseitige Gefässerweiterung bestimmter Extremitäten mit entsprechenden Suggestionen erreichen und dadurch ein verminderter Blutverlust während Operationen.

 

Wird die Gesamtumschaltung beherrscht, können normalerweise vom Willen nicht beeinflussbare unwillkürlich ablaufende Körperfunktionen wie beispielsweise Verkrampfungen oder Krämpfe der Muskulatur, des Magen-Darm-Bereichs und der Hautblutgefässe durch Vorstellung harmonisiert werden.

 

Selbstruhigstellung, Angstabbau und Gefühlskontrolle sind weitere Folgen der organismischen Umstellung. In dem Zustand tiefer Ruhe, Gelassenheit und innerer Harmonie ist es möglich, sich unbeschwert jedem beliebigen Problem zu widmen. Frei von belastenden Emotionen, konventionellen Wertungen und Einschränkungen können in einer geistigen Klarheit, Gedanken und Gefühle intensiver wahrgenommen werden und der Gedankenfluss kann sich frei entfalten. Die organismische Umschaltung ermöglicht also eine Steigerung von Konzentration und Kreativität 

 

 

Der vegetative Funktionswandel von Leistungs- zu Erholungszustand, also von Sympathikus zu Parasympathikus ist die Voraussetzung für körperliche Erholung, Wohlbefinden und langfristiger Gesundheit.

 

 

Die Umschaltung von einem sympathikusbetonten Wachzustand in den parasympathikusbetonten Entspannungszustand wird von körperlichen Veränderungen wie z.B. Muskelerschlaffung, Gefässerweiterung, Verlangsamung von Atmung und Herzschlag, erhöhter Speichelfluss sowie Magensaftproduktion begleitet.

 

 

 

  

Durch regelmässiges Trainieren und Wiederholen des Funktionswandels kann das vegetative Nervensystem seinen natürlichen Zustand der Homöostase zurückerlangen. AT ermöglicht unserem Organismus sein homöostatisches Gleichgewicht wiederherzustellen. Deshalb heisst es vollkommen zu Recht, dass Autogenes Training die jedem Organismus innewohnenden Selbstheilungskräfte fördert.

 

 

Durch intensives Vorstellen körperlicher Entspannung, Schwere, Wärme etc. kommt es zum Versenkungszustand. In diesem Zustand der Tiefentspannung – in der Hypnose als Trance bekannt – ist der Zugang zum Unbewussten hergestellt. Anders als bei Hypnose kann der autogen Trainierende bei regelmässiger Anwendung, den Zustand der Trance selbständig erzeugen. Das heisst, er ist in der Lage sich selbst zu beeinflussen. Diese Eigenständigkeit führt zu einer Steigerung des Selbstvertrauens und Selbstbewusstseins  (Ich-Stärkung) des Klienten, eine wichtige Grundlage für Wohlbefinden und Zielvorgabe jeder therapeutischen Intervention des Autogenen Trainings.

 

Im Zustand der Trance werden linke und rechte Gehirnhälften miteinander verbunden und damit das bewusste Denken mit dem unbewussten Wissen der Intuition wodurch das Gehirnpotenzial enorm erweitert werden kann. Kreativität, geistige und körperliche Regeneration werden gefördert, verborgene Fähigkeiten enthüllt und vor allem das physisch-psychische Gleichgewicht wieder hergestellt. 

 

Das wechselseitige Aufeinanderwirken von Körper und Seele ermöglichen so genannte Entspannungsphänomene. «Ein Mensch, der körperlich vollkommen entspannt ist, wird nicht gleichzeitig seelisch unausgeglichen und verkrampft sein, was auch umgekehrt gilt».

 

Autogenes Training bewirkt eine vertiefte Erholung in kurzer Zeit. Neben den unmittelbar auftretenden Entspannungseffekten, wird durch Autogenes Training die Wahrnehmung von Körper und Geist als Gesamtorganismus geschult. 

 

 

Autogenes Training zur Wiederherstellung der Homöosthase

 

Grundübungen

 

Autogenes Training wird in einfachen Grundübungen und Formeln gelehrt, die ein strukturiertes systematisches Lernen ermöglichen:

 

  1. Ruheübung als Einstimmung und Endziel
  2. Schwereübung zur Muskelentspannung
  3. Wärmeübung zur Gefässentspannung
  4. Atem & Herzübung zur Harmonisierung des Atems und Herzschlags
  5. Sonnengeflechtübung zur Regulierung Bauchorgane
  6. Stirnkühleübung zur Einstellung der Kopfregion 

 

Durch tägliches Üben (anfangs zehn, nach einiger Zeit nur noch fünf Minuten) stellen sich nach kurzer Zeit ein besseres Körpergefühl, bessere Durchblutung, Gelassenheit, Abgrenzungsfähigkeit, Konzentration, guter Schlaf etc. (siehe AT Anwendungsbereiche) ein.

 

Individuelle Leitsätze (Suggestionen) können beliebig hinzugefügt und geankert werden.